Verlierer der Gesellschaft auf Enwezors Documenta unerwünscht
Hack wird die D11 mit obdachlosen Künstlern besuchen

zurück

Als Plattform zur Darstellung der "Demokratie als unvollendeter Prozess" hatte der Leiter der Documenta11, Okwui Enwezor, seine Kasseler Kunstschau vollmundig angekündigt.

Der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 1992 Teilnehmer am documenta IX-Projekt "Van Gogh TV - piazza virtuale -, wollte diesen Anspruch auf die Probe stellen und bat den New Yorker Documenta-Chef, eine Gruppe von obdachlosen Künstlern auf der D11 zu begrüßen. Diese Menschen ohne festen Wohnsitz haben laut Hack in ihrer Kunstproduktion eine Sinngebung für ihr elendes Leben gefunden und hätten durch eine Geste der Documenta-Leitung stellvertretend für viele Ausgegrenzte Würde und Anerkennung erfahren.

Was jedoch prominenten oder wohlhabenden Zeitgenossen zu Teil wird, wurde den Verlierern des unvollendeten Prozesses von Enwezor vorenthalten. Wie auf den bisherigen Plattformen im Vorfeld der D11 handelt es sich auch in Kassel anscheinend um eine exklusive Veranstaltung, auf der die Armen und Schwachen nichts verloren haben.

"Die Ausgegrenzten der Gesellschaft sind wohl für den Museumsmann als Käufer und Konsumenten von Kunst einfach nicht interessant, vielleicht noch gerade gut genug als Objekte künstlerischer Sujets", vermutet Hack, "wenn sie aber gleich persönlich vorbeikommen, dann gelten sie eher als unerwünscht."

Mit der Abfuhr "...zur Zeit möchten wir uns auf die Arbeit an der Documenta11 konzentrieren und nicht an künstlerischen Projekten außerhalb dieses Rahmens teilnehmen" (D11-Sprecher Markus Müller) gibt sich Hack, der bereits erfolgreich Obdachlosentrupps durch die CeBIT, die EXPO und die documenta X führte, allerdings nicht zufrieden. Zugunsten der Straßenzeitung fiftyfifty wird er am 27. August eine Gruppe von obdachlosen Künstlern durch die Documenta führen, welche unter Begleitung der Medien ihre persönliche Bewertung der Kunstschau abgeben werden. "Ich glaube, nicht nur ich bin gespannt auf die Sicht von unten, daher möchte ich stellvertretend die Öffentlichkeit an dieser Sicht teilhaben lassen."

Die Führung wird am Dienstag, dem 27. August, 11 Uhr, vor dem Fridericianum beginnen. Hierauf wird noch mit besonderer Presseinformation hingewiesen. Schon jetzt sind alle Medien herzlich eingeladen, diesen Rundgang zu begleiten.



developed and managed by gekko mbh 
gekko mbh